Ralf Kirchner
August 2009

Ich wurde zwar am 24.03.1966 in Nordhausen geboren, bin aber trotzdem ein waschechter Bleicheröder. Bereits mit 10 Jahren absolvierte ich meine ersten (sehr langweiligen) Gitarrenstunden aber erst mit 16 entstand die wahre Liebe zur Gitarre. Animiert von Klassenkameraden, um auf diversen Partys einige Songs zum Besten zu geben, erlernte ich meine ersten richtigen Akkorde von meiner großen Schwester.


Die erste richtige E-Gitarre - eine IRIS (Made in CSSR) - kaufte mir mein Vater zu Beginn meiner Lehrzeit 1982. Gelernt habe ich den Beruf des Elektromonteurs im VEB Energiekombinat Erfurt - der heutigen E.ON Thüringer Energie AG. In der Berufschule fanden sich schnell ein paar Gleichgesinnte - Musikverrückte. Wir jammten im Keller des Lehrlingswohnheimes wie die jungen Stones. Und der Schuldirektor sponserte sogar diverse Gitarrenamps, Gesangsverstärker, Mikrophone und ein gebrauchtes Drumset!

Zugegeben, so richtig gut waren wir nicht aber unser Repertoire konnte sich durchaus sehen lassen. Wir celebrierten die Songs von Police, Sex Pistols, Kinks, Pink Floyd, Jimi Hendrix oder Neil Young und durften sogar vor richtigem Publikum auftreten. Beim Leistungsvergleich der Berufsschulen (Frühjahr 1983) sorgten wir mit unseren Versionen von „The house of the rising Sun“ von den Animals und „Sag mir wo die Blumen sind“ von Marlene Dietrich für einiges Aufsehen und ernteten Beifallsstürme. Und bei unserem Lehrlingsfest auf dem (nun leider abgerissenen) Bleicheröder Vogelberg machten wir sogar erste Groupie – Erfahrungen.
 

1983 kam dann das Angebot welches mein Leben verändern sollte. Der Chef der Bleicheröder Band YOGA kam in unseren bescheidenen Probenraum um mich als Gitarrist zu „casten“ (so heißt das heute!). Ich nahm das Angebot an und begann auch gleich mit den Proben. Schon kurze Zeit später erhielt ich von der staatlichen Einstufungskommission meine erste Spielerlaubnis. Leider nur die Mittelstufe – mehr war damals nicht drin. Sehr gern denke ich an diese Zeit und an die ersten Auftritte – etwa im Harz, als der Transporter ’nen Platten hatte, der Wagenheber unterdimensioniert war und wir die ganze Anlage abladen und entlang der Landstraße abstellen mussten, damit wir die Karre hochgebockt bekamen. Mein allererster Auftritt begann demzufolge mit einiger Verspätung. Jedenfalls blieb mir in der Hektik keine Zeit für Lampenfieber. Dieses habe ich bis heute nicht ablegen können. Besser gesagt: ich bin bereits Stunden vor jedem Auftritt ungenießbar. Nach den ersten zwei Liedern ist aber meistens alles wieder gut!
 


Mitte der 80er Jahre genoss ich dann doch noch eine richtige Gitarrenausbildung. An der staatlichen Musikschule in Nordhausen lernte ich 3 Jahre elektrische Gitarre - oder wie es damals hieß „Plektrumgitarre“ – inklusive langweiliger Musiktheorie. Mein Lehrer Matthias Wilhelm trainierte mich dabei immerhin bis zur Oberstufe! Allerdings durchschaute er mich relativ schnell, was meine sogenannte „Blattfestigkeit“ anbetraf. Denn, obwohl ich stets konzentriert auf das Notenblatt schaute, hatte ich die Stücke in Wirklichkeit komplett auswendig gelernt. Für die Bühnenperformance ist das sehr gut aber es war nicht wirklich „Blattfest“.
 

Mein größter Moment mit YOGA war die Einstufung zur Sonderstufe 1988. Von diesem Tag an wurden wir als Rockband in der ehemaligen DDR erst richtig ernst genommen und entsprechend gut gebucht. Sonderstufe – der wohl größte Traum eines jeden Ostmusikers. Ich glaube wir waren die einzige Band im Kreis Nordhausen, denen dieser Traum jemals in Erfüllung ging.

Nach dem Mauerfall, im Herbst 1989, verschwanden meine YOGA – Mitstreiter. Einer nach dem anderen verließ die Band und ihre Gründe waren recht unterschiedlicher Natur. Für mich war das trotzdem nicht immer so leicht nachzuvollziehen. Ich dachte es wäre eine gute Idee diese großartige Band am Leben zu erhalten. Also spendete ich, gemeinsam mit meinem Kumpel Bernd, jede sauer verdiente Ostmark in die  eigene Ton- und Lichttechnik und „castete“ 5 neue Bandmitglieder. Emma, Mattze und Heiko sind heute noch da und bilden den harten Kern der Band EMMA.

 


PS: Die Umbenennung von YOGA in EMMA erfolgte etwa im Jahr 1997, als eine erste CD Produktion bei der BMG mit deutschen Songs vor der Tür stand. 

Mittlerweile bin ich seit fast 14 Jahren verheiratet und habe eine 14-jährige Tochter. Die singt, spielt Volleyball, tanzt Hip-Hop, ist Mitglied im Karnevals- und Cheerleaderklub und hat wohl offensichtlich etwas von meiner Musikleidenschaft geerbt. Hoffentlich werde ich in ein paar Jahren ihr Manager ;-)
 

Fast hätte ich das „Wichtigste“ vergessen. Denn seit drei Jahren bin ich stolzer Hundebesitzer. Ich hatte ja vorher gar keine Ahnung was so ein Tierchen für einen Einfluss auf das eigene Leben haben kann. Aber dieser Rüde hat mich voll um den Finger (Pfote) gewickelt.

Seitdem bin ich in kürzester Zeit zum Hundeflüsterer mutiert und nerve mit diversen Hundelebenserfahrungen die Kollegen sowie mein gesamtes Umfeld. Ich weiß es aber da müssen die durch.

Musikalisch bin ich wirklich mehr als offen. Jedoch finden sich auf meinem mp3 Player vorwiegend Songs von David Lindley, Mark Knopfler oder Supertramp. Das liegt wohl am Alter. Aber ich glaube es gibt schlimmeres. Ich kenne andere 40jährige, die hören vielleicht eine Scheißmusik!

Nach der Arbeit und an musikfreien Tagen trainiere ich mein Selbstbewusstsein bei Frank Pelny in Nordhausen. Eine große sportliche aber hin und wieder auch recht  schmerzhafte Herausforderung, der ich mich mit stetig wachsender Begeisterung jede Woche aufs Neue stelle.

 

 


Im November 2009 gründete ich, gemeinsam mit Emma und meiner Tochter Jo-Ann, das Akustik Trio LESS PEOPLE. Dabei stand und steht der Spaß an der Musik im Vordergrund. Da spielen wir bekannte Coverversionen von Classicrock (Steve Miller Band, Dire Straits, CCR), über Partyhits (John Denver, Gipsy Kings, Brian Adams) bis zu neuesten Radiohits (Katy Perry, Lena Meyer Landruth, Amy MacDonald). Jo-Ann's und Emma's Gesänge werden von mir auf der Westerngitarre und aktuell auch auf der Ukulele, begleitet. Den Rhythmus erzeuge ich mit meinen Füßen, auf einer sogenannten 'Akustik Stomp Box'. Bei einigen Songs spielt 'Emma' außerdem Bass und Jo-Ann ein kleines Casio Keyboard aus den 80ern

 

Im Urlaub fahre ich mit meiner Familie einfach weg. Und das soweit es geht. Ich liebe Urlaub im eigenen Auto, mit Selbstverpflegung vom Markt und spontaner Reiseroute. Mittlerweile kenne ich mich in Europa ganz gut aus. Außerdem besuche ich seit 1990 mindestens einmal im Jahr meine Freunde in England.
Andere Kontinente habe ich noch nie besucht, da man die nicht mit dem Auto erreichen kann. Obwohl bei den derzeitigen Dieselpreisen New Orleans oder Tokio bestimmt billiger zu erreichen sind als Blackpool oder Rimini.

In meiner fast 25jährigen Musikerlaufbahn habe ich viele gute Freunde kennengelernt. Gleichzeitig bin ich aber auch oft auf die falschen reingefallen. Diese Erfahrungen sind prägend und nervend zugleich aber leider ein großer Bestandteil in diesem Business.

Mir helfen bei meinen Entscheidungen über neue „gute“ Freunde immer die Textzeilen aus dem großartigen BAP - Song „Verdammp lang her“. Ich hab’s mal grob ins hochdeutsche übersetzt, denn ich glaube diese Textzeilen treffen es genau auf den Punkt: „...wer alles wenn es dir klappt hinter dir her rennt, deine Schulter klopft, wer dich nicht alles hofiert, sich ohne Rot zu werden dein Freund nennt und dich Tags darauf ganz einfach ignoriert ..."

 

 

Nun, der Rest sollte eigentlich bekannt sein. EMMA’s Musikkonzept kann man auf dieser Website gut nachvollziehen und es geht ja auch immer weiter. Mal sehen was die nächsten Jahre noch so bringen. Auf jeden Fall macht mir die Musik immer noch genauso viel Spaß wie damals mit meinen Freunden im Keller des (auch schon abgerissenen) Lehrlingswohnheims.

 

Ralf Kirchner

meine links:

www.saco-defense.de
www.myspace.com/lesspeople
www.youtube.com/lesspeoplemusic
www.myspace.com/giant_schnauzer
www.youtube.com/giantschnauzer
www.noble-creations.de
www.mark-knopfler.de
www.davidlindley.com

 

 

"Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung"
Wilhelm Busch

 

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